Archiv für Juli 2012

Nachtanzdemo die Zweite

Hier unserer Redebeitrag von der Demo:

Vor etwas mehr als zwei Jahren standen wir schon einmal an diesem Ort, um die gemütlichen Mainzer Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Wir kritisierten hohe Mieten, das Fehlen von autonom gestalteten Freiräumen und eine auf Kommerzialisierung ausgerichtete Stadtplanung, die sich für eine Aufwertung von einstmals alternativen und bunten Wohnvierteln einsetzt. Aufwertung, die für diejenigen, welche nicht zu den Wohlbegüterten gehören, meist Ausgrenzung und Abdrängung an den Rand der Stadt bedeutet.
Was ist seitdem passiert?

Der Umbau des Zollhafens ist, trotz zahlreicher Gegenstimmen, in vollem Gange. Ganz bewusst wird hier um ein finanzreiches Publikum geworben, höhere Spitzenmieten für Vielverdienende und Unternehmen sind offen gewünscht. Der Raum, der sich vorher allen zur Erholung und Kommunikation sowie Jugendlichen und Studierenden bot, um dort kreativ tätig sein, ist verschwunden. Das Haus Mainusch, derzeit einziges autonom verwaltetes Kommunikationszentrum in Mainz ist in akuter Gefahr. Ebenso der anliegende Wagenplatz, dessen Bewohnerinnen und Bewohner bis Ende diesen Jahres einen neuen Wohnort finden müssen. Wir wissen nicht, ob es diesen geben wird. Die Mietpreise in Mainz steigen immer weiter. Gerade die Neustadt, einstmals ein noch erschwinglicher Wohnraum für finanzschwache Menschen weist immer höhere Mieten auf. Das Angebot für Jugendliche und junge Menschen – seien es Jugendzentren oder frei zugängliche Bolzplätze – ist begrenzt. Der Fußballplatz am Goethepark ist wegen ständig aufgeschobener Bauarbeiten geschlossen. Der ursprüngliche Stammplatz der Bunten Liga an der Zitadelle ist aufgrund der Beschwerde eines einzelnen Anwohners nur noch extrem eingeschränkt nutzbar.

Unserem Ruf nach einem Autonomen Zentrum wurde nicht statt gegeben. Die Neutorschule wurde uns nicht für eine Nutzung freigegeben. Die Stadt scheint zu keiner Kooperation bereit. Damit sind alternative Formen der Selbstverwirklichung und des Erlernens von kollektivem Handelns im städtischen Raum kaum möglich.
Die wenigen Orte, an denen wir uns jenseits von Kommerz und Kapital weiterbilden und frei entfalten können, sind in ihrer Existenz bedroht.
Und weil die Stadt Mainz die Schaffung solcher Räume weiterhin explizit verneint, müssen wir heute schon wieder antanzen. Wir sind heute wieder auf unseren Straßen unterwegs, um unserer Forderung nach Freiräumen und bezahlbarem Wohn- und Lebensraum Ausdruck zu verleihen!
Wir tanzen damit nicht nur für eine Veränderung der Verhältnisse hier in Mainz sondern überall. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die in Frankfurt um den Erhalt des Instituts für Vergleichende Irrelevanz kämpfen. Solange wir in einer Welt leben, in der Menschen tagtäglich mit Diskriminierung und Benachteiligung konfrontiert werden – sei es aufgrund ihrer Herkunft, ihres Frauseins, ihres Aussehehens oder weil sie lieben möchten, wen sie wollen – stellen diese Freiräume für uns die einzigen selbstbestimmten Orte dar.

Wir fordern Freiräume, wie verschieden sie auch aussehen mögen. Doch eigentlich wollen wir noch mehr. Es geht uns um nichts geringeres als diese Welt zu entkapitalisieren und so zu gestalten wie wir es uns wünschen.
Unsere Träume voller Einhörner und Regenbögen mögen manchen unrealistisch erscheinen. Für uns sind sie der Anfang, diese Welt zu verändern. Utopie muss sein.
Freiräume sind erst der Anfang. Sie sind – ganz bewusst – unsere kleinen Inseln und Seifenblasen des Alltags um nicht kaputt zu gehen zwischen Arbeit, Steuererklärung und Konsumzwang. In denen die einzige individuelle Entscheidung nicht ist, ob ich Club Mate trinke oder Coca Cola. In denen sich selbst Entfalten nicht bedeutet, wie viel ich mir leisten kann.
Es sind Orte des Lernens. Orte, an denen eine autonome Selbstverwirklichung möglich ist.

Wir wollen den Erhalt alter und die Schaffung neuer Freiräume!

Selbstverwirklichung heißt für uns nicht, einmal im Jahr in die trunkenen Fassnachtsgesänge des Rosenmontagszugs einzustimmen. Wir wollen zu unseren eigenen Beats/Melodien tanzen.
Zwei Jahre ist es her, dass wir unsere Forderungen auf die Straße getragen haben, heute ist es wieder soweit und wir werden auch in Zukunft solange tanzen, nerven, singen und stören bis die Fassaden einer geordneten, überwachten und normierten Stadt zu bröckeln beginnen!
Denn wovon man nicht schweigen kann, darüber muss man tanzen!
Danke und los!

Mehr Infos

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Aufruf: Weg mit dem Abschiebeknast Ingelheim

Am 8.9.2012 gibt es in Ingelheim eine Demo für eine ersatzlose Schließung des dortigen Abschiebeknasts.
Hier der Aufruf des Aktionsbündnis Abschiebehaft Abschaffen (mehr…)

No Border Camp Köln

No Border Camp 2012 von No Border Camp 2012

Antirassistisch Campen und Kämpfen
Ein Aktionscamp mit Aktionen, Workshops, Diskussionen, Vernetzung
Vom 13. bis 22. Juli 2012 findet ein No Border Camp in Köln statt, das durch ein offenes Netzwerk antirassistisch bewegter Gruppen und Aktivist_innen organisiert wird.
Kommt zum Camp! Bringt Workshops, Aktionen, Ideen mit! Klinkt euch in die dezentrale Vorbereitung ein! Das Camp ist das, was wir daraus machen!

Camp and fight for antiracism!
An action camp with actions, workshops, discussion and networking.
From 13 to 22 July, an open collective of anti-racist groups and activists organise a No Border camp in Cologne.
Come to the camp! Bring ideas for workshops and actions! Get involved in the decentralised preparations! The camp is worth as much as we make of it!

Camping et luttes antiracistes
Un campement avec des actions, des ateliers, des discussions et la mise en réseau.
Du 13 au 22 juillet aura lieu un campement No Border à Cologne, organisé par un réseau ouvert de groupes et d‘activistes impliqué·e·s dans des initiatives antiracistes.
Venez au campement ! Préparez des ateliers, des actions, des idées ! Rejoignez le processus de préparation décentralisé ! Le campement sera ce qu‘on en fait !