Offener Brief an Elternreferat zu Veranstaltung mit Monika Ebeling

Hallo Rebecca, Gitta und Sebastian,

zuerst einmal möchten wir Euch sagen, dass wir uns über die Existenz des neu gegründeten Elternreferates freuen und dass Ihr Euch bereit erklärt habt, die Aufgaben des Referates zu stemmen. Ebenso freuen wir uns darüber, dass Ihr auch inhaltliche Veranstaltungen organisiert.

Etwas gewundert haben wir uns allerdings über die Ankündigung zu dem Vortrag mit Monika Ebeling am kommenden Montag.
Dass Monika Ebeling umstritten ist, ist Euch wohl, wie man an der Verlinkung auf Eurer Seite erkennen kann, bekannt.
Zum Thema der Veranstaltung können wir sagen: Auch wir finden, dass Männer und Frauen einen ausgeglichenen Beitrag zur Kindererziehung erbringen sollen und sollen dürfen.
Eure Wahl für Monika Ebeling als Referentin ist für uns jedoch schwer nachvollziehbar aufgrund ihrer zahlreichen reaktionären Positionen.

Dazu einige Beispiele:
Thema Abtreibung: Über das Pro und das Contra lässt sich sicherlich diskutieren, unserer Ansicht nach ist es jedoch schon lange geschlechtlicher Konsens, dass die Entscheidung über die Abtreibung bei der Frau liegt, da es sich schließliche um den Körper der Frau handelt, in dem das Kind ausgetragen wird. Bei ihrem Argument, der Vater solle mit über eine Abtreibung entscheiden, muss dann auch die reale Konsequenz mitgedacht werden, dass eine Frau das Kind gegen ihre eigenen Willen aber mit dem Willen des Vaters austrägt. [siehe Vortrag Ebeling, S. 7, siehe ebenso Interview mit René Kuhn, S. 8, indem sie äußert, Frauen seien durch den Paragraph 218 zu „Herren“ über Leben und Tod geworden]. (Dass Monika Ebeling überhaupt mit René Kuhn von der IG Antifeminismus ein solch unkritisches Interview führt, finden wir ebenso fragwürdig.)

Thema Missbrauch/Gewalt: Wir halten Ebelings Strategie, Gewalt und Missbrauch von Frauen mittels der von ihr in angeblich ebenso hohen konstatierten existierenden Gewalt/Missbrauch von Frauen an Männern für gefährlich. Hier ein Zitat von ihrem Blog geschlechterdemokratie: „Sie üben Gewalt aus auch gegen Männer, nämlich zu gut 50%. Studien hierzu gibt es seit Jahrzehnten. Mädchen sind zunehmend gewaltbereit.“ Einen Hinweis auf die von ihr erwähnten Studien gibt es nicht.Männer und Frauen erscheinen als grundsätzlich sich ggü. stehende verfeindete Gruppen dargestellt. Ihre Argumentation zielt außerdem darauf ab Gewalt gegen Frauen kleinzureden, indem sie äußert, es gäbe ja auch Gewalt gegen Männer. Das mag sein, macht die Gewalt gegen Frauen aber nicht wneiger dramatisch. Eine solche Argumentation ist nicht nachvollziehbar, nicht wissenschaftlich und unseres Erachtens Unfug. Wie sollen wir uns die Situation vorstellen, wenn Monika Ebeling ihre Thesen vor Frauen/Mädchen vorstellt, die wirklich Erfahrungen mit Vergewaltigung und Missbrauch erlebt haben? Ist das nicht blanker Hohn ihnen gegenüber?

Thema Gender Pay Gap: Immer wieder betont Monika Ebeling, dass sich der Gender Pay Gap (http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Pay_Gap) bis auf wenige Prozentpunkte auf normale Präferenzen herunterspielen lässt. Frauen würden nunmal weniger arbeiten wollen und würden dementsprechend weniger Geld bekommen. Außerdem würden sich viele Frauen eher für Kind und Familie entscheiden und kämen daher für die obersten, gut bezahlten Posten in Politik und Wirtschaft nicht in Frage. Unserer Meinung nach ist das eine Form von Gender-Essentialismus, als sei es Frauen angeboren sich nun mal mehr für Frauen und Kinder zu interessieren, mit dem wir uns nicht einverstanden erklären!
Anstatt mit den Schultern zu zucken und zu sagen: Frauen sind nunmal so, sollte man sich eher mit der Frage auseinandersetzen, welche sozialen Mechanismen es sind, die Frauen im Gegensatz zu Männern hinter den Herd zwingen. Und wie man für Männer die Entscheidung für Kind und Familie attraktiver machen kann. Dass es eben oft eine finanzielle Entscheidung ist, die dazu führt dass die Frau Zuhause bleibt und nicht ihr männlicher Partner, wird von ihr mit der Leugnung des Pay Gap vollkommen ignoriert und verhindert eine fortschrittliche Diskussion.
Zwar beklagt Monika Ebeling immer wieder, dass Männer aus dem Familienleben gedrängt werden, aber im Umkehrschluss sind ihr die Schwierigkeiten von Frauen im Berufsleben offensichtlich egal, sonst würde sie sich nicht so ausgiebig gegen Kitas und öffentliche Kinderbetreuung äußeren, die sie mit der Gleichschaltung in totalitären Regimen vergleicht.

Wenn es bei dem Vortrag (so erscheint es uns zumindest) um das Thema Sorgerecht geht, dann wäre es doch möglicherweise sinnvoll, juristische Expert/Innen einzuladen, die berufliche Erfahrung in diesem Bereich gesammelt haben. Monika Ebeling setzt sich mit den juristischen Grundlagen nämlich nicht auseinander. In ihrem Fall geht es vielmehr um eine ideologische Aufladung der Thematik, die die jeweiligen individuellen Einzelfälle außer Acht lässt. Sie ignoriert auch die Tatsache, dass Frauen nachwievor in der Gesellschaft als die idealen „Erzieherinnen“ kleiner Kinder gesehen werden und deswegen von Gerichten mit dem Sorgerecht bedacht werden. Wer also möchte, dass Männer auch Erzieher werden und Frauen gleiche Chancen im Berufsleben haben ist Feminist_in. Dass Ebeling diese Thematik so darstellt, als wären es Feminist_innen, die sich erbittert gegen den Mann in der Familie wehren finden wir verlogen und hetzerisch.

Sollte mit der Einladung von ihr als Rednerin von Euch bewusst eine Kontroverse gewollt sein, so sehen wir dies zum einen aus den eben genannten Gründen als nicht gelungen an, sondern auch, weil nicht noch andere RednerInnen z.B. zu einer Podiumsdiskussion geladen sind. Jetzt besteht nur noch die Möglichkeit als kritische Zuhörer/in zu kommen. Jegliche Kritik an Ebelings Thesen wird jedoch mit Sicherheit für sie astrein in ihr Weltbild eingepasst und sie keineswegs dazu inspirieren, ihre Äußerungen einmal zu überdenken. In ihrem Blog geschlechterdemokratie lässt sich gut verfolgen, wie ihre gegenüber kritische Stimmen einfach in ihre Argumentation gebettet werden. Ähnlich verhält es sich mit Arne Hoffmann, der sich bereits als eingeladen betrachtet und die „radikalen IdeologInnen“ als Gäste erwartet. Wie auf seinem Blog (genderama) zu lesen ist, habt Ihr ihn offensichtlich persönlich eingeladen. Uns würde interessieren, in welcher Funktion er die Veranstaltung besuchen soll, als Experte etwa?

Aus den oben genannten Gründen finden wir eine Veranstaltung mit Monika Ebeling nicht tragbar. Dass ihren ideologischen Positionen (zu einem Thema zu dem es sicherlich auf SACHLICHER Ebene Informations- und Handlungsbedarf gibt) ein Podium geboten wird, erachten wir als erschreckend.
Deshalb fordern wir Euch dazu auf die Veranstaltung abzusagen. Darüber hinaus bitten wir Euch, als gesamtes Elternreferat, um eine inhaltliche Stellungnahme dazu, warum Ihr Monika Ebeling als Referentin gewählt habt und wie Ihr zu ihren (oben genannten) Positionen steht. Fordert Ihr eine Einschränkung des Rechts von Frauen auf Abtreibung? Findet Ihr, dass der Gender Pay Gap eine Erfindung ist? Wie steht Ihr zu Monika Ebelings These, dass ein großer Teil der Missbrauchsvorwürfe von Frauen/Mädchen gegen Männer entweder erfunden oder übertrieben werden und dass Frauenhäuser daher nicht benötigt werden? Und was haltet ihr von dem Plan Eltern mit der Erziehung von Kleinkindern allein zu lassen und Kitas einzuschränken/abzuschaffen?

Viele Grüße,
die HSG diskursiv