Protokoll der rassistischen Polizeiwillkür am 29.12.2012 in Mainz-Kastel

Protokoll der rassistischen Polizeiwillkür am 29.12.2012 in
Mainz-Kastel

Am 29.12.2012 um 18:00 Uhr habe ich meine Freundin und eine Begleiterin
zu einem Laden in der Mainzer Str. 34 in Mainz-Kastel gefahren. Ich habe
vor dem Laden auf sie gewartet. Währenddessen habe ich eine Gruppe von
Jugendlichen (Frauen und Männer) beobachtet, die in aufgeladener
Stimmung die Strasse herunter kamen und in den Lebensmittelladen
gegenüber hineinmarschierten. Kurz darauf haben sie den Ladenbesitzer
angegriffen. Ich stand vor dem Laden und habe es beobachtet. Nach kurzer
Zeit bin ich in den Laden gegangen und habe versucht, zwischen den
Parteien zu vermitteln. Während ich der Gruppe der Angreifer erklärte,
dass man so keine Probleme löst und sie die Polizei rufen sollten, wenn
sie Schwierigkeiten hätten, sind zwei Polizisten (eine Frau und ein
Mann) eingetroffen. Ich habe gehofft, dass die Polizei die Sache unter
Kontrolle bekommt. Ich bin dann zu meiner Freundin in den
gegenüberliegenden Laden, ungefähr 5 Meter entfernt, an die Kasse
gegangen und habe dort über die Sache berichtet. Als ich mit meiner
Freundin heraus kam, stand mir eine Polizistin gegenüber und fasste mich
an. Ich sollte stehen bleiben, sagte sie. Ich habe nicht vorgehabt
irgendwohin zu gehen, bin stehen geblieben und ihr ausgewichen. Ich habe
betont: „Sie dürfen mich nicht anfassen. Ich habe mit der Schlägerei
nichts zu tun“. In der Zwischenzeit ist ein zweiter Polizeiwagen
eingetroffen. Die Polizistin und ihre Kollegen, insgesamt nun drei
Frauen und ein Mann, sind auf mich losgegangen. Die vier Polizisten
haben mich eingekesselt und anschliessend an meinen Händen festgehalten.
Ich habe immer wieder versucht zu erklären, dass ich mit der Geschichte
nichts zu tun habe und die Polizei sich um die Schlägerbande kümmern
sollte. Mehrere Passanten und die Ladenbesitzer in der Nachbarschaft
haben diese gewalttätigen Übergriffe der Polizei beobachtet und der
Polizei deutlich gesagt, dass ich nicht in die Schlägerei verwickelt
war. Ein danebenstehender Passant, der sich als Polizist ausgab, mischte
sich in den Konflikt ein. Deswegen wurde er von einem Ladenbesitzer
beschimpft: „Sie sind betrunken, sie köِnnen sich nicht mal als Polizist
ausweisen“. Daraufhin hat die erste Polizistin, die mich vor dem Laden
angefasst hatte, ihn zur Seite genommen und kurz mit ihm geredet. Der
betrunkene Mann ist sofort verschwunden. Ich konnte nicht verstehen,
warum die Polizisten ihre Arbeit im Laden mit den Konfliktparteien nicht
erledigten und mich stattdessen festhielten. Die beiden Parteien aus dem
Lebensmittelladen haben den Polizisten deutlich gesagt, dass ich nichts
damit zu tun habe. Beide Parteien, haben anscheinend dort vor dem
Lebensmittelladen gestanden und die Geschehnisse beobachtet. Im weiteren
Verlauf sagte eine Polizistin, ich solle ruhig sitzen. Als ich mich
bückte, um mich hinzusetzen, haben mich alle vier Polizisten in
brutalster Art und Weise auf den Boden geworfen und sich mit ihrem
schweren Kِörpergewicht auf mich gesetzt. Ein Polizist hat mir den Dreck
vom Boden in dem Mund gestopft und mir meine Nase und den Mund
zugehalten, sodass ich keine Luft mehr bekam. Ein anderer hat mir den
Hals und die Hände von hinten verdreht. Jetzt saßen alle vier Polizisten
auf mir und haben mich am Oberschenkel gekniffen. Sie haben mir dann auf
gehässige und brutale Weise Handschellen an die Handgelenke gelegt. 25
bis 30 Personen standen herum und haben den Vorgang beobachtet. Die
Menschen haben sich über das Verhalten der Polizisten beschwert. Einer
hatte mit seiner Handykamera den Vorfall dokumentiert. Sie haben immer
wieder betont, dass ich nichts mit dem eigentlichen Vorfall zu tun habe,
und gefragt, was die Polizei denn von mir wolle. Meine Freundin wurde
von einer Polizistin geschubst, als sie näher kam. Jeder, der näher kam,
um zu schlichten, wurde von den Polizisten verscheucht. Die Polizisten
wollten weder zuhören, noch mit ihrer Gewalt gegen mich aufhören. Die
Gewalt der Polizisten war so brutal, dass ich mich übergeben musste.
Erst als die Leute sich mehrfach über dieses menschenverachtende
Verhalten der Polizisten beschwerten, ließen die Polizisten nach. Dann
sagten sie, dass ich mich ausweisen solle. Da ich vorhatte, mich nur
kurz draußen aufzuhalten, hatte ich keinen Ausweis dabei, konnte mich
also nicht ausweisen. Ich hatte nur eine Jogginghose und eine Jacke an
und hatte nicht vorgehabt auf die Polizei zu treffen. Während ich auf
dem Boden saß, habe ich meine Begleiterinnen gebeten, die Schlüssel aus
meiner Jackentasche zu fischen, um nach Hause zu fahren und meine
Ausweispapiere zu holen. Kurz nachdem drei Polizisten meine Tasche
durchsucht hatten, haben sie mich zum Polizeieinsatzwagen gebracht. Eine
Polizistin sagte mir, ich solle mich “auf meinen Po setzen“, in den
Polizeiwagen. Ich wurde zum Polizeirevier Mainz-Kastel gebracht und saß
eine halbe Stunde mit Handschellen auf einem Stuhl. Währenddessen stand
die Polizistin, die das Ganze veranlasst und ausgeführt hatte, in
provokativer Art und Weise mir gegenüber, hat eine Zigarette aus einer
Schachtel gezogen und mich ausgelacht. Ich war erstaunt über das
unfassbare Verhalten und die provokative Art der Polizistin und habe
kein Wort gesagt. Nach einer halben Stunde kam ein anderer Polizist des
Reviers und hat mit Hilfe des Polizisten, der mir den Dreck in den Mund
gestopft hatte, meine Jacken- und Hosentaschen durchsucht und mich
anschließend in den Keller in eine Zelle gebracht. In der Zelle wurde
ich noch einmal gründlich durchsucht. Meine Schuhe und Jacke wurden mir
abgenommen. Als sie den Raum verlassen wollten, sagte ich ihnen, dass
ich auf die Toilette gehen wollte, da es mir schlecht ging. Die zwei
Polizisten haben meine Wünsche nicht beachtet und die Türen hinter sich
zugeschlossen. Durch die Gewalt und die Schmerzen, die mir zugefügt
wurden, ging es mir so schlecht, dass ich mich dort innerhalb von 30
Minuten zweimal übergeben musste. Keiner kam, die Tür war geschlossen
und wurde geschlossen gehalten. Nach über 30 Minuten öffneten zwei
Polizisten die Tür. Einer sagte mir drohend: „Jetzt kennen wir Sie“.
Meine Begleiterinnen waren mit den Papieren gekommen und holten mich ab.
Später habe ich mich mit den Leuten in dieser Strasse unterhalten.
Einige sagten mir, die Polizistin mit ihre ausländerfeindlichen Haltung
sei in dieser Gegend bereits bekannt. Ich bin mit Bekannten ins
Krankenhaus gefahren und wurde dort medizinisch untersucht. Laut dem
medizinischen Bericht hatte ich Schwellungen an den Handgelenken, einen
Bluterguss an den Schultergelenken und Muskelüberdehnungen Ich empfinde
diesen willkürlichen Einsatz der Polizei als einen rassistschen Angriff
auf meine Person, der die Eskalation im Laden gesehen hatte und
lediglich schlichten wollte. Ich halte es für wichtig, diesen Vorfall
öffentlich zu machen und solches Verhalten nicht einfach hinzunehmen.
Mit der Hoffnung, dass die Justiz und Politik, diese häufig
vorgekommenen Vorfälle verhindert und umso besser die allgemeine Haltung
der Gesellschaft für Recht und Ordnung unterstüzt. Ich habe Anzeige
erstattet und warte die weiteren Entwicklungen ab. Bitte kontaktieren
Sie mich für weitere Informationen.

Kontaktinfos über diskursiv ÄT riseup.net