Archiv für März 2014

Somos viento – der Wind sind wir

Sonntag 9.3. 19 Uhr Haus Mainusch

Flyer vorne
Flyer hinten

Die Regisseure vom Dokumentarfilm „Somos Viento – Der Wind sind wir“ sind in der nächsten Zeit unterwegs auf Rundreise um den Film vorzustellen und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.

Es geht dabei um den Isthmus von Tehuantepec, die engste Stelle Mexikos zwischen den zwei Ozeanen – eine besonders windige Region. Dort versuchen schon seit einiger Zeit verschiedene Konzerne größere Windparks zu bauen, was ihnen vielfach auch schon gelungen ist. Wenn man in der Gegend unterwegs ist, fährt man deshalb teils an riesigen „Wäldern“ von Windrädern vorbei.
Den Firmen ist es häufig ein Leichtes ihre Bauvorhaben umzusetzen. Dabei versprechen sie der lokalen Bevölkerung (wie so oft wenn es um ähnliche Problematiken geht) Vorteile wie beispielsweise Arbeitsplätze.
Jedoch regt sich auch Widerstand gegen diese Form der Megaprojekte, vor allem von Seiten indigener Bevölkerungsgruppen, welche in Versammlungen organisiert gegen die Konzerne vorgehen. Sie fordern die Achtung ihres Rechts auf vorherige, freie und informierte Anhörung, welches indigenen Gruppen laut von Mexiko unterzeichneten internationalen Übereinkommen zusteht. Diese Konsultierung findet jedoch so gut wie nie statt und die betreffenden Personen werden nicht gefragt, ob sie den Bauvorhaben auf ihren (in Urkunden als Gemeinschaftsbesitz festgelegten, jedoch de facto nicht als solcher anerkannten) Ländereien zustimmen.
Im Isthmus von Tehuantepec spielt vor allem die Fischerei eine gewichtige Rolle für die Ernährung. Die Windparks, die teilweise unmittelbar an der Küste gebaut werden, stellen nicht nur für die Ernährungssouveränität der Anwohner*innen eine Gefahr dar (bspw. durch unterirdischen Lärm, welcher Fische von der Küste vertreibt), sondern auch für das Ökosystem (wenn z.B. Zugvögel in die Rotorblätter geraten).

Das klingt alles erst einmal ziemlich weit weg, so als ob es kaum eine Verbindung zu uns gäbe. Aber auf den zweiten Blick erkennt man im Anliegen der Asambleas im Isthmus von Tehuantepec einige Parallelen zu beispielsweise demjenigen der Recht auf Stadt- oder der Häuser-Bewegung: dem Eintreten für Selbstbestimmung, gegen kapitalistische Interessen, für die Verteidigung eines gemeinsam genutzten Raums, welcher unverkäuflich ist und allen gemeinsam gehört.
Die Windkraft-Gegner*innen im Isthmus sind nicht nur mit den Zapatistas in Chiapas, auch mit anderen solidarischen Personen weltweit vernetzt. Sie können für uns ein interessantes Beispiel für selbstorganisierten Widerstand jenseits des Zapatismus sein.
Nicht zuletzt ist auch die Debatte um Windkraft, die generell als “nachhaltige” alternative Energie gepriesen wird, im Kontext der Situation im Isthmus von Tehuantepec spannend, um einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Der Film gibt vor allem den betroffenen Anwohner*innen eine Stimme, und versucht die Wirkungsweisen des sogenannten “grünen Kapitalismus” nachzuvollziehen.
Solltet ihr am Sonntag nicht können aber trotzdem interessiert sein, habt ihr ja vielleicht am Samstag davor Zeit, da sind die Regisseure im Wiesbadener Infoladen (08.03.14, 19h).