Montag 09.11.2009, 18.30 Uhr, Raum: P3 (Philosophicum)
Décroissance – Skizze einer Gesellschaft jenseits des Wachstumsgedanken

Aufzeichnung
Vortrag (Teil 1)

Vortrag (Teil 2) und Diskussion

Download: Vortrag (1.Teil)Teil 2 + Diskussion

Der Vortrag wurde konsekutiv übersetzt von Dr.Philippe Kersting. Vielen Dank für die super Übersetzung!

Seperater Flyer zur Deutschland-Tour von Serge Latouche

In seinem Vortrag stellt Dr. Serge Latouche das in Frankreich weit verbreitet Konzept der „Décroissance“ vor. Décroissance wird häufig – etwas unglücklich – mit „Wachstumsrücknahme“ übersetzt. Mit dem Konzept der décroissance übt Serge Latouche nicht nur Kritik am Wachstumsgedanken sondern `überwindet´ ihn und geht somit deutlich weiter als die in Deutschland weitläufig diskutierten Ansätze der sog. „Solidarischen Ökonomie“ und all ihrer Spielarten. Während sich die `Solidarische Ökonomie´ nicht von der `Ökonomie´ emanzipiert und am Konzept des `Wachstums´ in seinen unterschiedlichsten Abwandlungen (`dauerhaftes´, `sanftes´, `endogenes´, `nachhaltiges´ Wachstum) festhält, versucht die décroissance diesen für unsere Gesellschaften heiligen Begriffe des Wachstums zu überwinden. Die décroissance kritisiert nicht nur das Wachstum oder
weist nicht nur auf die Grenzen des Wachstums hin, sondern versucht die Möglichkeiten einer Gesellschaft des „Post-Wachstums“ bzw. des „Nicht-Wachstums“ zu skizzieren. Hierfür unternimmt die décroissance – mit den Worten von Serge Latouche – eine „Dekolonisierung unserer Gedankenwelt“. Serge Latouche zeigt auf eindrückliche Art und Weise, wie sehr unser alltägliches Leben und Denken vom Wachstumsgedanken gesteuert wird. Die décroissance sucht kein `besseres´ oder `anderes´ Wachstum, sie sucht auch keine „Rücknahme des Wachstums“, sondern ein Abschaffen des Wachstums (und der Ökonomie) als zentrales Erklärungs- und Steuerungselement unseres sozialen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und menschlichen Lebens. Eine Gesellschaft der „décroissance“ definiert sich nicht mehr über das Wachstum, sondern rückt den Menschen in den Mittelpunkt ihrer selbst. Mit den Worten von Serge Latouche: „le lien remplace le bien“ („die zwischenmenschliche Beziehung ersetzt die Ware/ das Gut“). Erst ein a-ökonomisches Denken, so Serge Latouche, erlaube es, die Probleme, die im alten Denken entstanden sind, zu überwinden. Denn Probleme können nicht in dem Denken gelöst werden, in dem sie entstanden sind.

Referent: Dr. Serge Latouche ist emeritierter Professor der Wirtschaftswissenschaften der Universität Paris-Sud XI und Autor zahlreicher Bücher über die „décroissance“.